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"Noch mehr Unternehmen für die Idee der EMM begeistern"

Die BulwienGesa AG war bereits in der Vorgängerinitiative der EMM aktiv und ist Gründungsmitglied des Vereins. Die Treugast Solutions Group zählt seit knapp einem Jahr zu den Mitgliedern und ist mit einer Veranstaltung zum Thema Hotelimmobilien auf der Expo Real im Herbst 2010 gleich aktiv in die Projektarbeit eingestiegen. Wie die beiden Unternehmen die Metropolregion derzeit und in zehn Jahren sehen, was sie noch vermissen und sich wünschen, haben Stefan Nungesser, Senior Consultant bei der Treugast Solutions Group und Stefan Stark, Projektleiter bei der Bulwien- Gesa AG, im Interview erzählt.

 

EMM: Warum sind Sie Mitglied im Verein Europäische Metropolregion München geworden?

Stefan Nungesser: Wir machen sehr viel in der Region und finden es daher sehr spannend, die Region insgesamt voranzubringen. Die Olympiabewerbung ist für uns zum Beispiel ein wichtiges Thema, zu dem wir uns einbringen wollen. Auch was die Bereiche Tourismus und Beratung angeht, kann man in der Region noch viel bewegen. Wichtig sind für uns auch Vernetzungsmöglichkeiten und der Kontakt zu anderen Institutionen und Firmen. Im Gegensatz zu brancheninternen Netzwerken kommt man bei der EMM mit sehr unterschiedlichen Kreisen in Kontakt, was die EMM sehr spannend macht.

 

Stefan Stark: Der Vernetzungsgedanke ist auch für uns ein sehr wichtiger Punkt. Wir sind im Marktforschungs- und Immobilienbereich tätig und machen zum Beispiel kommunale Beratung im Immobilienbereich. Gerade hier kommt es darauf an, die Kommunen und Landkreise wirklich zu verstehen und auf einer Ebene zu kommunizieren. D. h. ich muss tatsächlich aktiv sein und mich hier einbringen, um die Metropolregion zu erfassen. Das funktioniert auf der Ebene der EMM sehr gut. Nur in einem Netzwerk zu sein, um Geschäft zu machen, ist viel zu kurz gedacht und sehr schnell unglaubwürdig. Es muss ein Geben und Nehmen sein.

 

EMM: Sie verwenden den Begriff Metropolregion beide ganz selbstverständlich. Was bedeutet für Sie die "Metropolregion München"?

Stark: Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass sich die Region unter diesem Begriff darstellt. Für uns als Münchner Unternehmen ist es leicht, sich damit zu identifizieren. Ich könnte mir vorstellen, dass es für jemand aus Augsburg oder Ingolstadt erst einmal schwer ist, einen Schritt zurück zu treten und sich unter dem Label Metropolregion München darzustellen. Aber der Blick von außen richtet sich einfach zuerst auf München und ich finde, dass die gesamte Region dies auch für sich nutzen sollte. Und auch für uns als Unternehmen weitet sich der Blick - wir kennen mittlerweile nicht nur München und Oberbayern sehr gut, sondern die gesamte Metropolregion.

 

Nungesser: Ich bin ursprünglich ein sogenannter "Zuagroaster". Nach über zehn Jahren kann ich aber sagen, dass ich mittlerweile verwurzelt bin und mich auch als Münchner fühle. Mir gefällt, dass die EMM diesen Gedanken der Vernetzung einer Region verfolgt und jeder erst einmal ein Stück zurücktritt und man dann versucht, gemeinsame Dinge auf den Weg zu bringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade im Tourismusbereich das Kirchturmdenken zum Teil noch sehr stark verankert ist. Daher finde ich es sehr gut, dass man in einer so großen und heterogenen Region zusammenarbeitet und auch den Anspruch hat, diese Metropolregion insgesamt voranzubringen.

 

EMM: Wenn Sie auf Ihre Fachgebiete schauen: Welche Herausforderungen kommen in diesen Bereichen auf die Metropolregion München zu?

Stark: Für BulwienGesa ist die Stadt München in der Immobilienentwicklung der Schwerpunkt. Momentan ist die Lage positiv, die weitere Entwicklung ist natürlich von der gesamtwirtschaftlichen Lage abhängig. Allerdings sehe ich, dass das Interesse am Umland höher geworden ist. Der Immobilienmarkt war vor 20 bis 25 Jahren völlig intransparent und verschiedene Standorte nicht ver-  gleichbar. Das hat sich geändert. Man muss also nicht mehr an der Stadtgrenze anhalten, sondern kann auch mal in die Region rausgehen. Dort gibt es tolle Standorte wie beispielsweise den Landkreis Fürstenfeldbruck, Landsberg oder Dachau, die aus unserer Sicht momentan sogar unterbewertet sind. Hier kann man die Kraft reinsetzen und sagen: Schaut auch mal außerhalb Münchens.

 

Nungesser: Wir sind stark auf den Hotel- und Gastronomiebereich und entsprechende Immobilien fokussiert. Hier beobachten wir die Entwicklung seit langem und gehen davon aus, dass auch größere Projektentwickler oder Hotelgesellschaften künftig verstärkt den Schritt in kleinere Städte und Destinationen machen werden. Wir haben zum Beispiel eine Untersuchung gemacht, in der etwa die Stadt Ingolstadt gut abschneidet. Diese Entwicklung wollen wir durch unsere Aktivität in der EMM weiter vorantreiben, weil wir das Potenzial sehen, das darin liegt. Es geht uns dabei nicht nur darum, irgendwelche Aufträge zu generieren. Wir leben ja hier in der Region und fühlen uns als Unternehmen auch ein Stück weit in der Verantwortung, die Qualität für den Tourismus und den Standort insgesamt zu verbessern.

 

EMM: Stichwort Verbesserung: Gibt es Themen, die Sie in der EMM vermissen?

Nungesser: Wir interessieren uns für alle Themen, die mit unserem Spezialgebiet zusammenhängen. Hier bringen wir uns auch gerne weiter mit ein, zum Beispiel zum Thema Hotelentwicklung in der Region. Es wäre aber gut, wenn solche Themen dann nicht nur von Spezialisten wie uns unterstützt werden, sondern z.B. auch von den IHKs, die stark in die Fläche und auf einer anderen Schiene arbeiten. Denn der Tourismus insgesamt hat in Bayern einen anderen Stellenwert und andere Strukturen als z.B. in Österreich. Wir haben da noch einiges aufzuholen und können jede Unterstützung gebrauchen.

 

Stark: Ich finde die Themen, die bearbeitet werden, klasse und gut besetzt. Was ich mir wünsche, sind noch mehr Mitglieder, gerade private Unternehmen. Denn ein Netzwerk wie die EMM lebt von den Mitgliedern, und hier müssen wir noch mehr von dieser Idee begeistern. Gerade bei den Unternehmen wissen viele mit dem Begriff noch nichts anzufangen.

 

Nungesser: Da kann ich Herrn Stark nur zustimmen. Wenn weitere Unternehmen dazukommen, wird die EMM noch bunter, es kommen neue Facetten dazu und die Ergebnisse haben eine noch größere Wirkung. Aber die Metropolregion München ist ja noch relativ jung im Vergleich zu anderen Metropolregionen und so etwas braucht seine Zeit.

 

EMM: Wenn wir diese Zeit einmal kurz ein wenig nach vorne drehen: Wo sehen Sie die EMM in fünf oder zehn Jahren?

Nungesser: Ich hoffe, dass die Metropolregion noch mehr Mitglieder hat und zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen eine bessere Vernetzung und ein größerer Austausch stattfindet. Im Rahmen einer erfolgreichen Olympiabewerbung werden sich in den nächsten Jahren einige Möglichkeiten für die EMM ergeben, in deren Rahmen sie sich unterstützend positiv positionieren kann.

 

Stark: Das kann ich nur unterstreichen. Ich denke, dass die EMM in der Außendarstellung einen großen Schritt weiter und in mehr Köpfen präsent sein wird. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das Logo bekannter ist und häufiger genutzt wird. Insgesamt sehe ich die EMM auf einem guten Weg und habe da einen ganz positiven Blick in die Zukunft.

(aus EMM-Newsletter Ausgabe 02/2011)